Magnetfeldtherapie

Magnetfeld-Resonanz-Stimulations-
therapie (MRS) in der HNO-Praxis

Dr. Hartmut Sauer, München

Die Magnetfeld-Resonanz-Therapie (MRS-Therapie) bewährt sich in der HNO-Praxis zunehmend als unterstützende ganzheitliche Behandlungsmethode bei einer Reihe klinischer Indikationen, die einer konventionellen Therapie nur schwer zugänglich sind.

Der therapeutische Einsatz von Magnetfeldern zur Behandlung von verschiedensten Krankheitsbildern ist nicht neu; bei allen alten Hochkulturen war er zentraler Bestandteil der Medizin. So weiß man, dass schon Hippokrates Magnetsteine, also Permanentmagnete, zu medizinischen Zwecken benutzte. Bis in das Mittelalter war die Magnetfeldbehandlung in der Händen der so genannten Bader. Theofrast von Hohenstein, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, sah die Magnetfeldbehandlung als eine der vier Säulen im Haus der Gesundheit (1528). Er gilt heute als Begründer der Magnetfeldtherapie.
Russische Untersuchungen zum Magnetfeld haben ihren Ursprung im der Weltraumforschung. Die aus dem All zurückgekehrten Kosmonauten hatten extreme osteoporotische Veränderungen und schwere Depressionen. Durch den Einbau künstlicher Magnetfelder hat man diese Zustände deutlich reduzieren können, womit andererseits auch der Nachweis einer wirksamen Therapie erbracht war.
In jüngster Zeit gilt das Augenmerk von Wissenschaft und Forschung der medizinischen Wirksamkeit pulsierender elektromagnetischer Felder (PEMF). Sie sind auch bekannt unter dem Namen Magnet-Resonanz-Systeme (MRS). Erste klinische Studien kamen aus Garmisch-Partenkirchen und sind mit dem Namen Lechner und Ascherl verknüpft. Viele Patienten mit Knochenheilungsstörungen wurde mit der so genannten Lechner-Spule erfolgreich behandelt. Diese hatte allerdings den Nachteil groß, nicht transportabel und vor allem teuer zu sein, weshalb die Therapieform nur größeren Zentren vorbehalten war.


Umfangreiche Datenlage zur Methode

In den letzten Jahren wurden weltweit zahlreiche wissenschaftliche und klinische Studien zur Magnetfeldtherapie durchgeführt. Im Archiv der IGEM, der internationalen Ärztegesellschaft für Energiemedizin (drittgrößte Ärztegesellschaft Europas mit Sitz in Wien) werden umfangreiche Daten aus wissenschaftlichen Arbeiten gesammelt und systematisiert. Zu keinem komplementärmedizinischen Verfahren liegen mehr Studien über Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten vor. Sie sind teilweise verblüffend, werden aber von Skeptikern größtenteils auf den Plazebo-Effekt zurückgeführt. Dieses Argument scheint durch den Umstand ertkräftbar, dass auch in der Tiermedizin die MRS-Therapie bei den unterschiedlichsten Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wird.

Wirkprinzip

1965 beschreibt der 2fache Nobelpreisträger Linus Pauling den biomagnetischen Charakter des Blutes. Ansatzpunkt des Magnetfeldes ist das an der Zellmembran entstehende elektrochemische Potenzial. Durch die Kalium-Natrium-Pumpe fließt ein elektrischer Strom, der mit Magnetfeldern in Wechselwirkung tritt. Auf diesem Weg kann jede Körperzelle angeregt werden. Als Effekt lässt sich feststellen, dass Stoffwechselprodukte (so genannte Schlackenstoffe) schneller abtransportiert werden, die körpereigene Abwehr gestärkt wird und die allgemeine Regenerationsfähigkeit sich verbessert. Voraussetzung dafür ist ein ausreichendes Flüssigkeitsmilieu im intersitiellen Gewebe (Grundsystem nach Pischinger), weshalb Patienten grundsätzlich zu reichlicher Flüssigkeitsaufnahme angehalten werden sollten. Neben einer durchblutungsfördernden Wirkung des Magnetfeldes werden in der Literatur zusätzlich eine ausgeprägte analgetische und relaxierende Wirkung beschrieben. Der Nachweis erhöhter Fließgeschwindigkeit des Blutes kann eindrucksvoll im Dunkelfeldmikroskop erbracht werden: Unter Einfluss des Magnetfeldes lösen sich die vorher Geldrollenphänomen-artig verklumpten Erythrozyten auf, die Fließgeschwindigkeit wird beschleunigt. Auch werden immer mehr positive Effekte auf das vegetative Nervensystem nachgewiesen, was das breite Indikationsspektrum der MRS-Therapie erklärt.

 

Kontraindikationen

Einschränkung für die Anwendung der MRS-Therapie sind lediglich elektronische Implantate (wie z.B. Herzschrittmacher), deren Bauelemente magnetempfindlich sind. Aus forensischen Gründen wird auch vor der Anwendung in der Frühschwangerschaft gewarnt, wenn auch hierzu die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Als relative Kontraindikationen werden Epilepsie und Hyperthyreose genannt, MRS-Therapie ist aber unter ärztlicher Kontrolle und mit niedriger Dosierung auch hier anwendbar.

 

Nebenwirkungen

Bei korrekter Anwendung hat die MRS-Therapie praktisch keine Nebenwirkungen, abgesehen von unspezifischen "Überreaktionen" bei äußerst magnetsensiblen Personen. Die häufigste unerwünschte Reaktion ist eine in der Naturheilkunde bekannte kurzfristige Intensivierung chronischer Schmerzen (so genannte Kur- oder Erstreaktion). Durch langsame Steigerung der Dosis kann man diese Erstreaktion meist umgehen.

Anwendung in der Praxis

Die MRS-Therapie kann für den HNO-Arzt keine Monotherapie sein: Sie ist eine naturheilkundliche, ganzheitliche additive Therapie. Sie wird als nichtinvasives Verfahren von den Patienten, die oft schon eine lange Therapieanamnese auch in anderen Fachgebieten hinter sich haben, positiv angenommen. Der Patient braucht sich dabei nicht einmal zu entkleiden, da Magnetfelder die Kleidung ungehindert durchdringen.
Hauptanwendungsgebiet in der Praxis ist die Behandlung funktioneller Beschwerden ohne konventionell therapierbarem HNO-Befund. Dazu zählen insbesondere chronische Schmerzzustände und chronische Entzündungen, wobei ein Behandlungserfolg im Gegensatz zu einer Injektion nicht sofort, sondern erst nach längerdauernder Behandlung eintritt. Patienten mit einer längeren Vorgeschichte nehmen diese Tatsache jedoch in Kauf. Bei akuten entzündlichen, auch abszedierenden Beschwerden kann es zu überraschenden Sofortbesserungen kommen, z.B. bei schmerzhafter Gehörgangsentzündung bzw. -furunkel, Oberlippen- und Naseneingangsfurunkel und anderen mehr.
Bekannt ist die Wirksamkeit der MRS-Therapie auch bei akuter posttraumatischer Beschwerdesymptomatik besonders in der Sportmedizin als begleitende Therapie in der Nachbehandlung und zur Unterstützung in der Regenerationsphase, aber auch im Rahmen des Trainingsaufbaus. Diese Tatsache hat zu einer breiten Anwendung im Spitzensport geführt.

 

Technische Ausstattung und Ablauf der Behandlung

Ein Magnetfeldsystem besteht aus
- einer zusammenfaltbaren Ganzkörpermatte mit jeweils drei Spulenpaaren,
- einem feldstärkenmäßig höher ausgerichteten Applikatorkissen und
- einem Applikatorstab für die Behandlung punktueller Beschwerden.
Grundsätzlich steht am Beginn die Ganzkörperbehandlung auf der Matte mit einschleichender niedriger Dosierung. Im Anschluss folgt eine gezielte Behandlung mit dem Applikatorkissen, z.B. im HWS-/Schulter-/Nackenbereich und/oder mit dem Stab.

Bewährte HNO-Indikationen

Es gibt in der HNO-Heilkunde fast kein Krankheitsbild, das nicht mit der MRS-Therapie additiv behandelt werden könnte; deshalb können nur allgemeine Hinweise gegeben werden.:
Funktionelle Beschwerden, vor allem mit muskulären Dysbalancen: Vor allem funktionelle Beschwerden ohne krankhaften HNO-Befund sind Hauptanwendungsgebiete der MRS-Therapie in der Praxis. Den genannten Beschwerden gemeinsam ist meist eine zervikogene muskuläre Dysbalance mit konsekutiven funktionellen HWS- und Kopfgelenksstörungen. Das Magnetfeld wirkt hier ausgleichend, relaxierend, spannungskreisunterbrechend und vegetativ stimulierend. Patienten mit migränoiden Kopfschmerzen können mit einem Nachlassen der Migräneintensität und einer Verlängerung der Intervalldauer rechnen. Bei Tinnitus und Vertigo kann neben der Behandlung mit dem Applikatorkissen im Nacken zusätzlich mit dem Behandlungsstab über Akupunkturpunkte in Ohrnähe (3-E 21, 3-E 17) behandelt werden.
Hauterkrankungen im HNO-Bereich: Auch bei Hauteffloreszenzen im HNO-Bereich zeigt die MRS-Therapie wegen ihrer durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Wirkung gute Erfolge. Durch Stimulierung der Bindegewebszellen wird die Wundheilung beschleunigt und das Immunsystem gestärkt. So kann es zu einer raschen Besserung bei Naseneingangs-/Gehörgangsfurunkel, Mundwinkelrhagaden, Glossitis, Gingivitiden und anderen (Schleim-) Hauterkrankungen kommen.
Zahn- bzw. Kiefererkrankungen:
Nichteinheilen von Zahnimplantaten und Wurzeldefekte können in unserem Fachbereich zur dentogenen foetiden Sinusitis führen. Nach entsprechender Spülbehandlung kann mit gezieltem Einsatz der MRS-Therapie eventuell eine Zahnextration verhindert werden.
Stimmstörungen, Dysphagien: Zur Behandlung von funktionellen Stimmstörungen und Dysphagien liegen Studien vor (Austrian Voice-Institut, Graz), die über gute Therapieergebnisse berichten.
Allergische Erkrankungen: Allergische Rhinitis und Sinusitis stellen ebenfalls eine Indikation für die MRS-Therapie dar. Dazu gibt es wissenschaftliche Arbeiten, unter anderem aus der Tschechischen Republik. In der Praxis hat sich neben der Ganzkörperbehandlung die gezielte Anwendung des Applikatorstabs neben den Nasenflügeln an Akupunkturpunkten (Dickdarm 20) bzw. an der Nasenwurzel (PAM 3) bewährt.


Fazit

Die Magnetfeldtherapie stellt wegen ihrer Effektivität, ihres praktisch nebenwirkungsfreien Einsatzes und der einfachen Handhabung in der HNO-Praxis eine sichere und wirksame Behandlungsform dar. Einsatz findet sie als unterstützende Therapie bei einer Fülle von HNO-Erkrankungen, die von einer verbesserten Sauerstoffnutzung des Gewebes profitieren. Das Verfahren lässt sich gut in den Praxisablauf integrieren, da es personell und räumlich wenig "belastend" und vergleichsweise kostengünstig ist (moderne Magnetresonanzsysteme bewegen sich heute bereits in einer Preisklasse zwischen 4000 bis 6000 DM). Die Abrechnung erfolgt generell durch Privatliquidation nach GOÄ, ist im Einzelfall (auf individuelle Vereinbarung hin) bei bestimmten Indikationen aber auch über die gesetzlichen Krankenkassen möglich.

 

Für Fragen wenden Sie sich bitte an unseren Medizinprodukteberater Herrn Andreas Polonyi, der immer Dienstags von 9 bis 13 Uhr in der Praxis tätig ist, auch telefonisch erreichbar unter 0172 - 5861735.